Berlin war nie interessant, weil es bequem war. Die Stadt wurde interessant, weil Menschen Räume geschaffen haben, bevor jemand entschieden hatte, dass diese Räume förderwürdig, wirtschaftlich sinnvoll oder kulturell relevant sind.
CLUBWEARberlin entsteht aus genau diesem Gedanken – und aus einem Widerspruch.
Während Berlin international weiterhin mit Freiheit, Subkultur, Musik, Mode, Kunst und einer außergewöhnlichen Clubkultur verbunden wird, geraten genau jene Strukturen unter Druck, aus denen diese Identität entstanden ist. Sparmaßnahmen treffen Kultur und Bildung, Räume verschwinden, Produktionskosten steigen und für junge Kreative wird es schwieriger, aus einer Idee überhaupt erst eine Arbeit, eine Marke oder eine künstlerische Position zu entwickeln.
Dabei entsteht Kultur nicht erst dort, wo Institutionen sie anerkennen.
Sie entsteht in Ateliers. In Clubs. In Hochschulen. In Kellern. In temporären Räumen. Nachts. Zwischen Musik, Mode, Handwerk, Körpern und Menschen, die etwas ausprobieren, obwohl noch niemand weiß, ob es funktionieren wird.
CLUBWEARberlin versteht Kleidung als Teil dieser Kultur.
Die Kollektion verbindet Latex, Clubwear und Fashion mit einer Berliner Perspektive auf Gegenwart. Tops, Crop Tops und weitere Oberteile entstehen nicht als Kostüm für eine bestimmte Szene und auch nicht als nostalgische Erinnerung an ein Berlin, das einmal war. Sie sind Kleidung für eine Generation, für die Grenzen zwischen Club, Straße, Fashion und Alltag längst weniger eindeutig geworden sind.
Latex spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein Material, das lange auf Fetisch und bestimmte Subkulturen reduziert wurde, wird hier als das behandelt, was es ebenso sein kann: Material für zeitgenössisches Modedesign. Körpernah, präzise, unmittelbar und wandelbar.
WHEN DEMOCRACY BECOMES PRIVATE
Hinter CLUBWEARberlin steht deshalb auch eine politische Frage.
Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn immer weniger öffentliche Räume existieren, in denen junge Menschen Kultur entwickeln, diskutieren, experimentieren und auch scheitern dürfen?
Deutschland wird zunehmend von politischen Entscheidungsträger:innen geprägt, deren Lebensrealität teilweise weit von jener Generation entfernt ist, die heute Ausbildung, Studium, Selbstständigkeit, steigende Lebenshaltungskosten und eine unsichere Zukunft gleichzeitig bewältigen muss. Gleichzeitig darf berechtigte Unzufriedenheit nicht dazu führen, demokratische Antworten durch autoritäre oder rechtsextreme Angebote zu ersetzen.
Als Millennial sehe ich darin auch eine Verantwortung meiner eigenen Generation: Demokratie nicht nur zu verteidigen, wenn sie unmittelbar bedroht wird, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen die nächste Generation überhaupt noch das Gefühl hat, an dieser Gesellschaft beteiligt zu sein.
Denn momentan entsteht für mich ein gefährlicher Eindruck:
Demokratie in Deutschland könnte zur Privatsache werden.
Zu etwas, um das sich diejenigen kümmern müssen, die noch Zeit, Geld, Bildung, Zugang oder Kraft dafür besitzen.
Kulturpolitik gehört deshalb für mich unmittelbar zu Demokratiepolitik. Wenn öffentliche Mittel vor allem etablierte Strukturen stabilisieren, während neue Projekte, junge Künstler:innen, Designer:innen und unabhängige Kulturräume um ihre Existenz kämpfen, entsteht ein Ungleichgewicht. Bestehende Institutionen können wichtig sein. Aber kulturelle Förderung darf nicht ausschließlich das bewahren, was bereits sichtbar, etabliert und abgesichert ist.
Eine Stadt, die ihre nächste Generation nicht mitentwickeln lässt, konserviert irgendwann nur noch die Erinnerung an ihre eigene kulturelle Bedeutung.
CLUBWEAR IS CULTURE
CLUBWEARberlin ist meine Antwort darauf nicht als Parteiprogramm, sondern mit den Mitteln, mit denen ich arbeite: Material, Schnitt, Körper, Bild und Kleidung.
Die Kollektion soll tragbar sein. Sie soll verkauft werden. Sie darf begehrenswert sein. Und sie muss sich dafür nicht von ihrer Haltung trennen.
Denn ein Onlineshop und eine politische Position schließen sich nicht aus.
Wer ein Stück aus CLUBWEARberlin trägt, muss keine Erklärung mittragen. Aber hinter jedem Stück steht die Überzeugung, dass Mode Teil einer lebendigen Kultur sein kann – und dass Berlin junge Kreativität nicht erst dann feiern sollte, wenn sie international erfolgreich geworden ist.
CLUBWEARberlin ist Kleidung aus Berlin.
Für Club, Straße und Gegenwart.
Made to be worn. Made to be seen. Made to remain free.