Der Fall Uhlandstraße 170
von Emanuel Klimt
Als ich die ersten Unterlagen zu Sven Elvis Appelt erhielt, hielt ich den Fall zunächst für einen weiteren Nachbarschafts- oder Geschäftskonflikt, wie sie täglich vor deutschen Gerichten verhandelt werden.
Zwei Jahre später liegt vor mir ein Aktenberg aus eidesstattlichen Versicherungen, Chatverläufen, Fotos, gerichtlichen Beschlüssen, Zeugenaussagen und persönlichen Korrespondenzen.
Im Mittelpunkt stehen Sven Elvis Appelt und die Familie Wilking.
Was mich an diesem Fall nicht losließ, war nicht die Anzahl der Vorwürfe. Es waren die Widersprüche.
Je tiefer ich in die Dokumente einstieg, desto häufiger stellte sich dieselbe Frage: Warum weichen einzelne Aussagen so deutlich von anderen vorliegenden Unterlagen ab?
Der Fall umfasst Vorwürfe über verschwundenes Eigentum, finanzielle Auseinandersetzungen, angebliche Identitätsmissbräuche, Konflikte mit Kunden, gerichtliche Verfahren und persönliche Eskalationen, die sich über Jahre entwickelt haben.
Sven Appelt sieht sich dabei als Geschädigter eines Systems aus Falschdarstellungen, Wegsehen und institutionellem Versagen.
Die Familie Wilking weist die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück und schildert die Ereignisse grundlegend anders.
Als Journalist interessiert mich nicht, wer die emotionalere Geschichte erzählt.
Mich interessiert, welche Geschichte durch Dokumente gestützt wird.
Nach der Auswertung zahlreicher Unterlagen entstand bei mir der Eindruck, dass insbesondere die Aussagen der Familie Wilking einer besonders sorgfältigen Prüfung bedürfen. Nicht weil sie zwangsläufig falsch sind, sondern weil sich an mehreren Stellen Fragen ergeben, die durch die vorliegenden Dokumente nicht ohne Weiteres beantwortet werden können.
Genau dort beginnt diese Recherche.
Nicht mit Urteilen.
Nicht mit Vorverurteilungen.
Sondern mit der einfachen Frage:
Was ist tatsächlich geschehen in der Uhlandstraße 170 in Berlin – und welche der zahlreichen Behauptungen halten einer Überprüfung der Fakten stand?
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Persönliches Statement
Meine lieben Freunde, meine lieben Wegbegleiter, meine Unterstützer und meine lieben Kunden,
warum gibt es diese Seite?
Weil das, was vor zweieinhalb Jahren mit meinem Atelier in der Uhlandstraße 170 begann, längst nicht mehr nur mich betrifft. Es betrifft auch euch.
Acht Kunden hatten persönliche Stücke zur Reparatur bei uns hinterlegt. Weitere 17 Kundenbestellungen waren bereits fertiggestellt und teilweise für den Versand vorbereitet. Auf den inzwischen vorliegenden Bildern sind selbst noch die Pakete zu erkennen, die eigentlich an euch verschickt werden sollten.
Was mit dem Atelier und dem darin befindlichen Eigentum geschehen ist, empfinde ich bis heute als heimtückisch, hinterhältig und in seiner Vorgehensweise geradezu geistig abwesend.
Eigentum, Waren, Arbeitsmaterialien und persönliche Gegenstände wurden wahllos in der Mitte des Raumes zusammengeworfen. Anschließend wurde behauptet, der Raum habe schon immer so ausgesehen. Die inzwischen vorliegenden Aufnahmen dokumentieren einen anderen Zustand.
Allein der Wert der betroffenen Kundenware und der zur Reparatur überlassenen Stücke liegt nach meiner Einschätzung bei mindestens 7.000 bis 8.000 Euro.
Doch damit war die Geschichte nicht beendet.
Danach wurden Unterlagen und persönliche Daten aus den Räumlichkeiten verwendet. Über PayPal, Klarna und weitere Anbieter wurde damit nach den gerichtlich festgestellten Sachverhalten Betrug begangen. Der daraus entstandene Schaden belief sich insgesamt auf rund 17.000 Euro. Die entsprechenden Vorgänge und Dokumente sind Teil der Aufarbeitung.
Ich habe zweieinhalb Jahre versucht, diese Angelegenheit ohne Öffentlichkeit zu lösen. Meine Forderung war immer dieselbe:
Komm für den entstandenen Schaden auf – und die Sache ist beendet.
Dazu ist es nicht gekommen.
Und ja: Auch die Berliner Staatsanwaltschaft muss sich Kritik gefallen lassen. Meine Erfahrungen der vergangenen Jahre haben bei mir den Eindruck einer maßlos überforderten, personell unter Druck stehenden und teilweise schlecht ausgebildeten Strafverfolgungsbehörde hinterlassen. Wesentliche Hinweise wurden aus meiner Sicht nicht ausreichend berücksichtigt, Widersprüche blieben bestehen und Fehler wurden über lange Zeit nicht korrigiert.
Mein persönliches Vertrauen in die Bearbeitung dieses Vorgangs durch die Berliner Staatsanwaltschaft ist deshalb nicht nur beschädigt.
Es ist nicht mehr vorhanden.
Erst als eine Richterin deutlich machte, dass hier gravierende Fragen ungeklärt geblieben waren, kam nach meiner Wahrnehmung Bewegung in die Angelegenheit.
Und genau deshalb gibt es diese Seite.
Die zur Veröffentlichung vorgesehenen Unterlagen werden chronologisch zugänglich gemacht. Personenbezogene und private Daten werden geschwärzt. Ihr findet dort Aussagen, eidesstattliche Versicherungen, Zeugenaussagen und weitere Dokumente.
Lest sie. Vergleicht sie. Prüft die zeitlichen Abläufe.
Macht euch selbst ein Bild.
Denn nach zweieinhalb Jahren möchte ich euch nicht mehr erzählen müssen, wer die Wahrheit sagt.
Ich lasse die Dokumente sprechen.
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Ankündigung des Interviews mit Sven Appelt-
Veröffentlichung ab 14.08.2026
Nach Freigabe durch die zuständigen Stellen wird am 12. August 2026 ein ausführliches Interview mit dem Berliner Designer Sven Appelt veröffentlicht.
Im Mittelpunkt stehen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sowie seine Sicht auf die Ereignisse der vergangenen Jahre. Thematisiert werden unter anderem die Auseinandersetzungen mit der Familie Wilking, die Auswirkungen auf Kunden und Geschäftspartner sowie zahlreiche Dokumente, eidesstattliche Versicherungen und weitere Unterlagen, die nach Angaben von Sven Appelt seine Darstellung der Vorgänge stützen.
Das Interview behandelt insbesondere die Frage, wie unterschiedliche Aussagen, Vorwürfe und Gegenvorwürfe entstanden sind, welche Widersprüche sich aus den vorliegenden Dokumenten ergeben und welche Folgen die Auseinandersetzungen nach Darstellung der Beteiligten für Dritte hatten.
Es wird ein Gespräch ohne vorgefertigte Antworten. Direkt. Ungekürzt. Dokumentiert. Und mit der Bereitschaft, auch die unbequemen Fragen zu stellen. Denn am Ende entscheidet nicht die Lautstärke einer Behauptung, sondern ihre Überprüfbarkeit.
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DAS INTERVIEW
IM GESPRÄCH MIT SVEN APPELT
Drei Jahre Akten. Ein Urteil. Und die Frage, ob die eigentliche Geschichte noch gar nicht verhandelt wurde.
Interview: Emanuel Klimt
Frage 1
Was übersehen die Menschen, wenn sie nur das Urteil lesen und glauben, damit die gesamte Geschichte zu kennen?
Es gibt jetzt ein Urteil. Die Öffentlichkeit liest eine Schlagzeile und sieht einen verurteilten Mann. Wer jedoch die Akten, die Vorgeschichte und die jahrelangen Auseinandersetzungen betrachtet, stößt auf eine Geschichte, die weit größer ist als die Frage, ob jemand beleidigt wurde. Was bleibt uns verborgen, wenn wir nur die letzten Seiten lesen?
A.
Die Menschen übersehen aus meiner Sicht vor allem eines: Sie sehen das Ende eines Kapitels und halten es für das gesamte Buch.
Wer heute ein Urteil liest, liest nicht die Geschichte zwischen Andreas Wilking und mir. Er liest lediglich das Ergebnis eines einzelnen Verfahrens. Was dabei verloren geht, sind Jahre von Konflikten, Vorwürfen, Gegenvorwürfen, Verfahren, Anzeigen und Ereignissen, die diesem Urteil vorausgegangen sind.
Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe beschlossen, mit Andreas Wilking einen Konflikt zu führen. Menschen werden nicht geboren, um Streit zu suchen. Konflikte entstehen, weil etwas passiert. Sie entstehen, weil Menschen aufeinander reagieren, weil Vorwürfe erhoben werden, weil Grenzen überschritten werden oder weil man sich gegen etwas wehrt, das man als Unrecht empfindet.
Wenn man verstehen möchte, warum diese Geschichte überhaupt existiert, dann muss man auch bereit sein, die Vorgeschichte zu betrachten. Dazu gehören nicht nur meine Aussagen, sondern auch die Aussagen anderer Menschen, die ebenfalls Konflikte mit Andreas Wilking hatten oder haben. Es reicht nicht aus, ausschließlich die Perspektive derjenigen Seite zu betrachten, die am Ende in einem Urteil besser dasteht.
Was mich dabei immer wieder irritiert, ist die Frage der Glaubwürdigkeit. Wenn jemand behauptet, nahezu alle anderen würden lügen, täuschen oder ihm schaden wollen, dann sollte man irgendwann auch die Gegenfrage stellen dürfen: Kann es wirklich sein, dass immer alle anderen das Problem sind? Oder lohnt es sich, genauer hinzusehen?
Genau das fehlt mir häufig in der öffentlichen Betrachtung. Es wird über das Urteil gesprochen, aber nicht über die Entstehung des Konflikts. Es wird über einzelne Aussagen gesprochen, aber nicht über die Vorgeschichte. Und es wird über die Folgen gesprochen, ohne die Ursachen ernsthaft zu hinterfragen.
Deshalb glaube ich, dass Menschen etwas Wesentliches übersehen, wenn sie nur das Urteil lesen: Sie sehen einen verurteilten Mann. Sie sehen aber nicht die jahrelange Geschichte dahinter, die überhaupt erst zu diesem Punkt geführt hat. Und genau dort liegen aus meiner Sicht die Fragen, die bis heute nicht ausreichend beantwortet sind.
Frage 2
An welchem Punkt wurde aus einem Streit über konkrete Vorwürfe ein Kampf um Deutungshoheit?
Am Anfang standen einzelne Vorwürfe. Dann folgten Gegenvorwürfe, Anzeigen, Verfahren und schließlich ein Urteil. Fast wirkt es so, als sei die ursprüngliche Frage unterwegs verloren gegangen. Wann wurde aus einem Konflikt über Tatsachen ein Konflikt darüber, wer die Geschichte erzählen darf?
A.
Für mich wurde aus einem Streit über konkrete Vorwürfe ein Kampf um Deutungshoheit in dem Moment, als niemand mehr darüber sprechen wollte, was eigentlich passiert ist.
Andreas Wilking war jahrzehntelang Gutachter. Er bewegte sich in einer Welt, in der seine Einschätzungen Gewicht hatten, in der Richter, Versicherungen und Institutionen auf seine Expertise vertrauten. Mein Eindruck war, dass daraus irgendwann die Überzeugung entstand, dass seine Darstellung der Dinge automatisch die richtige sei.
Genau dort begann der eigentliche Konflikt.
Denn ich war nicht bereit, diese Deutung einfach zu akzeptieren.
Plötzlich ging es nicht mehr um Eigentum, nicht mehr um Verantwortung und nicht mehr um die Frage, wer was getan hat. Stattdessen ging es darum, wessen Geschichte geglaubt wird. Die Fakten wurden zur Nebensache. Das Narrativ wurde zur Hauptsache.
Und an diesem Punkt versagte aus meiner Sicht auch der Staat.
Meine Kritik an der Staatsanwaltschaft ist nicht, dass sie Fehler macht. Fehler machen Menschen. Meine Kritik ist, dass sie bei komplexen Verfahren häufig gar nicht mehr die Möglichkeit hat, die gesamte Geschichte zu sehen. Überlastung wird in Deutschland inzwischen wie eine Naturgewalt behandelt. Als wäre sie eine Entschuldigung für alles.
Ist sie aber nicht.
Wenn Verfahren sich über Jahre ziehen, wenn Akten wachsen, wenn immer neue Vorgänge entstehen und niemand mehr die Zeit hat, die Zusammenhänge zu prüfen, dann entsteht ein gefährlicher Zustand: Man verwaltet Konflikte, statt sie aufzuklären.
Genau das habe ich erlebt.
Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass niemand mehr fragte: „Was ist hier eigentlich insgesamt passiert?“ Stattdessen wurde gefragt: „Welcher Vorgang liegt heute auf meinem Schreibtisch?“
So verliert man das Gesamtbild.
Und wenn das Gesamtbild verloren geht, gewinnen nicht die Fakten. Dann gewinnen diejenigen, die ihre Geschichte am professionellsten erzählen können.
Deshalb wurde aus einem Streit über Tatsachen ein Streit über Wahrheiten.
Und genau deshalb sitzen wir heute hier und sprechen nicht über die ursprünglichen Vorgänge, sondern darüber, welche Version der Geschichte die Öffentlichkeit am Ende für die Wirklichkeit hält.
Heute, 2,5 Jahre später spricht die Staatsanwaltschaft erstmalig davon das Familie Wilking gestohlen hat, betrogen hat und gelogen hat - das ist in meinen Augen, ein Armutszeugnis.
Frage 3
Hast du jemals das Gefühl gehabt, dass Behörden und Gerichte den gesamten Kontext sehen wollten – oder hattest du den Eindruck, dass man jeden Vorgang isoliert betrachtet hat, bis das Gesamtbild nicht mehr erkennbar war?
Du sprichst seit Jahren von Mustern, Wiederholungen und Zusammenhängen. War dein Eindruck, dass man diese Zusammenhänge verstehen wollte – oder dass alles in einzelne Aktenordner zerlegt wurde?
A.
Ja. Und dieses Muster hat für mich einen Namen: Staatsanwältin Akgük und Polizist Andreas Tschisch.
Wenn ich zweieinhalb Jahre lang den Eindruck habe, dass Sprachnachrichten, Zeugenaussagen, Nachrichtenverläufe und andere aus meiner Sicht wichtige Hinweise keine erkennbare Rolle spielen, dann stelle ich mir zwangsläufig eine Frage: Wo bleibt die Neutralität?
Mein Eindruck war nicht fehlende Neutralität, sondern Voreingenommenheit.
Ich erwarte keine Fehlerfreiheit. Ich erwarte aber, dass belastende und entlastende Umstände mit derselben Sorgfalt betrachtet werden. Genau dieses Gleichgewicht habe ich persönlich über lange Zeit vermisst.
17 Eidesstattliche Versicherungen und die Sprachnachrichten von Zainab Hassan Wilking waren für Staatsanwältin Akgük nicht genug Beweise. Bis zur Verhandlung unterstellte sie mir „rassistisches Vorgehen gegenüber Migranten“.
Deshalb geht es für mich längst nicht mehr um einen einzelnen Vorgang. Es geht um die bis heute offene Frage, ob der gesamte Kontext jemals wirklich betrachtet wurde.
Für mich sind juristisch schwache Personen, wie Frau Akgük eine Gefahr für unser Rechtssystem. Es ist doch traurig und nicht zu verstehen, dass ich erst zwei Personen so abwertend und bildungsfern beleidigen muss um gehört zu werden.
Frage 4
Ab welchem Punkt hattest du nicht mehr das Gefühl, gegen einzelne Entscheidungen zu kämpfen, sondern gegen ein System, das so beschäftigt mit sich selbst ist, dass es den eigentlichen Konflikt dahinter nicht mehr erkennt?
Personalmangel, Überlastung, Aktenberge – all das erklärt Verzögerungen. Aber erklärt es auch, warum Menschen irgendwann das Gefühl verlieren, gehört zu werden?
A.
Für mich war dieser Punkt spätestens im August 2024 erreicht.
Damals meldete sich eine weitere Person bei mir, die nach ihrer Darstellung nahezu dieselbe Vorgehensweise erlebt hatte wie ich: gleiche Muster, gleiche Methoden, gleiche Konflikte, gleiche Vorwürfe. Plötzlich ging es nicht mehr nur um meine Geschichte. Plötzlich stand die Frage im Raum, warum sich bestimmte Abläufe immer wiederholen.
Genau dort begann mein Zweifel am System.
Denn wenn mehrere Menschen unabhängig voneinander von ähnlichen Erfahrungen berichten und diese Hinweise trotzdem nicht erkennbar zu einer umfassenden Betrachtung führen, dann stellt sich irgendwann die Frage, ob überhaupt noch das Gesamtbild gesucht wird.
Meine Kritik richtet sich dabei insbesondere an die Staatsanwaltschaft und die Arbeit von Staatsanwältin Akgük.
Wenn über Jahre hinweg Hinweise, Dokumente, Nachrichtenverläufe, Zeugenaussagen und Zusammenhänge vorgetragen werden und gleichzeitig zentrale Fragen offenbleiben, dann darf man sich fragen, wo die notwendige Neutralität geblieben ist.
Besonders schwer nachvollziehbar ist für mich dabei, dass von den zahlreichen gegen mich erhobenen Anklagepunkte (9) am Ende der überwiegende Teil (7 Anklagepunkte) keine Rolle mehr spielte. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, warum so viel Energie und Steuergelder darauf verwendet wurde, gegen mich zu ermitteln, während andere Vorgänge aus meiner Sicht deutlich weniger Interesse hervorgerufen haben.
Irgendwann fragt man sich dann nicht mehr, ob einzelne Entscheidungen richtig oder falsch waren. Irgendwann fragt man sich, ob ein System noch auf Aufklärung ausgerichtet ist oder nur noch auf Verwaltung.
Genau an diesem Punkt hatte ich nicht mehr das Gefühl, gegen einzelne Entscheidungen zu kämpfen. Ich hatte das Gefühl, gegen ein System zu kämpfen, das so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dass es die eigentliche Geschichte dahinter längst aus den Augen verloren hat oder ob es wirklich so ist wie Zainab Hassan Wilking es rumerzählt; „Frau Akgük ist meine Freundin, wir werden nie verurteilt“. Inzwischen passt diese Aussage zur Situation.
Frage 5
Was wird übersehen, wenn Menschen dieselbe Richterin einmal als Verteidigerin der Meinungsfreiheit und in einem anderen Verfahren als Richterin einer Verurteilung wahrnehmen?
Die Öffentlichkeit liebt einfache Bilder. Aber Gerichtsverfahren sind selten einfach. Was fehlt in diesem Vergleich?
A.
Was in diesem Vergleich häufig fehlt, ist die Widersprüchlichkeit des Systems selbst.
Richterin Wilms ist für mich keine einfache Figur. Einerseits habe ich sie als eine Richterin erlebt, die durchaus bereit war, Vorwürfe kritisch zu hinterfragen. Zahlreiche Punkte, die zuvor gegen mich erhoben wurden, spielten am Ende keine Rolle mehr oder wurden bereits im Vorfeld nicht weiterverfolgt. Das zeigt, dass sie eben nicht jede Behauptung ungeprüft übernommen hat.
Andererseits bleibt bei mir ein Gefühl der Enttäuschung zurück.
Nicht wegen des Urteils allein, sondern wegen einer Auffassung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, die ich teilweise für zu theoretisch halte. Demokratie besteht nicht nur aus Gesetzen, Akten und Verfahrensordnungen. Demokratie lebt auch davon, Macht zu hinterfragen, Widersprüche auszuhalten und Konflikte in ihrem gesamten Kontext zu betrachten.
Genau dort sehe ich das Problem.
Ich hatte oft das Gefühl, dass Richter und Staatsanwälte vergessen, dass vor ihnen nicht nur Aktenzeichen sitzen, sondern Menschen. Menschen, die denken, recherchieren, Zusammenhänge erkennen und Widersprüche wahrnehmen.
Deshalb lautet meine eigentliche Kritik nicht an Richterin Wilms persönlich. Meine Kritik richtet sich an ein System, das immer häufiger damit beschäftigt scheint, seine eigenen Entscheidungen zu verwalten, statt seine eigenen Fehler zu hinterfragen.
Wenn Richter immer wieder Vorgänge korrigieren, Vorwürfe reduzieren oder Verfahren anders bewerten als zuvor beantragt, dann stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage, ob das eigentliche Problem vielleicht nicht bei den Gerichten liegt.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem davor.
Vielleicht müssen wir endlich die unbequeme Frage stellen, warum Staatsanwaltschaften immer wieder mit Verfahren vor Gericht gehen, die in dieser Form dort nicht bestehen bleiben. Vielleicht müssen wir darüber sprechen, wie viel Steuergeld, Zeit und Vertrauen verloren geht, wenn Quantität wichtiger wird als Qualität.
Denn ein Rechtsstaat beweist seine Stärke nicht dadurch, dass er möglichst viele Verfahren führt.
Er beweist seine Stärke dadurch, dass er die richtigen führt.
Frage 6
Ist das Urteil aus deiner Sicht die Geschichte – oder lediglich ein Ausschnitt der Geschichte?
Von den vielen Konflikten und Vorwürfen, die über Jahre entstanden sind, landet am Ende nur ein kleiner Teil in einem Urteil. Ist damit alles erzählt – oder nur das letzte Kapitel?
A.
Nein. Aus meiner Sicht ist dieses Urteil nicht die Geschichte. Es ist ein kleiner Ausschnitt der Geschichte.
Und genau deshalb fällt es mir schwer, dieses Urteil als abschließende Bewertung des gesamten Konflikts zu betrachten.
Wenn ich ein Urteil lese und dabei auf Angaben stoße, die aus meiner Sicht nachweislich nicht mit den tatsächlichen Umständen übereinstimmen, dann stelle ich mir zwangsläufig Fragen. Es geht dabei um Punkte wie Ortsangaben, Darstellungen von Internetpräsenzen oder die Beschreibung von Inhalten und Kommunikationsformen, die ich so nicht wiedererkenne. Für mich sind das keine Nebensächlichkeiten. Für mich sind das die Grundlagen eines Sachverhalts.
Genau deshalb richtet sich meine Kritik weniger gegen das Gericht als gegen die Vorarbeit der Ermittlungsbehörden.
Denn die Aufgabe der Staatsanwaltschaft besteht nicht darin, eine Verurteilung zu erreichen. Ihre Aufgabe besteht darin, den Sachverhalt objektiv aufzuklären – belastende und entlastende Umstände gleichermaßen.
Und genau an dieser Stelle habe ich bis heute erhebliche Zweifel.
Wenn über Jahre hinweg Hinweise, Unterlagen, Nachrichtenverläufe und andere Informationen vorgelegt werden und trotzdem das Gefühl entsteht, dass bestimmte Fragen nicht ernsthaft geprüft wurden, dann leidet das Vertrauen in die Ermittlungsarbeit.
Meine Kritik lautet deshalb nicht, dass Fehler passieren. Fehler passieren überall.
Meine Kritik lautet, dass aus meiner Sicht zu selten hinterfragt wird, warum diese Fehler entstehen konnten und warum sie teilweise über Jahre bestehen bleiben.
Deshalb sehe ich dieses Urteil nicht als Ende der Geschichte.
Im Gegenteil.
Für mich wirft dieses Urteil mehr Fragen auf, als es beantwortet. Und genau deshalb beginnt die eigentliche Debatte für mich nicht vor dem Urteil – sondern nach dem Urteil.
Frage 7
Warum dauert die Aufarbeitung bestimmter Vorgänge Jahre, und was sagt das über die Geschwindigkeit des Rechtsstaates aus, wenn Bürger auf seine Hilfe angewiesen sind?
Wenn Eigentumsfragen, Beweismittel oder andere Streitpunkte über Jahre offenbleiben, entsteht die Frage, ob Zeit selbst zu einem Faktor der Gerechtigkeit wird.
A.
Ich glaube, die Antwort ist unangenehm einfach.
Deutschland gehört zu den wirtschaftlich stärksten Ländern der Welt. Gleichzeitig erleben wir seit Jahren eine Justiz, die personell und strukturell an ihre Grenzen stößt. Verfahren dauern Jahre, Ermittlungen ziehen sich endlos hin und Bürger verlieren zunehmend das Vertrauen, dass ihre Anliegen in angemessener Zeit bearbeitet werden.
Das überrascht mich nicht.
Wir erwarten von Staatsanwälten, dass sie hochkomplexe Sachverhalte bewerten, über Existenzen entscheiden und den Rechtsstaat vertreten. Gleichzeitig schaffen wir es als Gesellschaft nicht, diese Positionen so attraktiv zu machen, dass sich dort automatisch die besten Juristen eines Jahrgangs wiederfinden.
Das eigentliche Problem ist dabei nicht die einzelne Staatsanwältin oder der einzelne Staatsanwalt. Das Problem ist ein System, das seit Jahren auf Verschleiß fährt.
Wenn Verfahren zwei, drei oder vier Jahre dauern, dann wird Zeit selbst zu einem Machtfaktor. Zeugen erinnern sich schlechter, Beweise verlieren an Bedeutung, Betroffene werden mürbe und irgendwann entsteht der Eindruck, dass Durchhalten wichtiger ist als Wahrheit.
Genau das halte ich für gefährlich.
Denn ein Rechtsstaat verliert seine Glaubwürdigkeit nicht erst dann, wenn er Fehler macht. Er verliert sie, wenn Bürger das Gefühl bekommen, dass Geschwindigkeit, Qualität und Gründlichkeit vom Zufall abhängen.
Meine Kritik ist deshalb keine Kritik an einzelnen Menschen. Meine Kritik richtet sich an ein System, das seit Jahren unterfinanziert, überlastet und personell ausgedünnt wird und sich dann wundert, wenn die Ergebnisse nicht mehr dem Anspruch eines modernen Rechtsstaates entsprechen.
Und wenn man mich fragt, warum manche Vorgänge Jahre dauern, dann lautet meine Antwort: Weil wir von einer Justiz Weltklasse erwarten, sie aber vielerorts wie eine Behörde zweiter Klasse behandeln.
Frage 8
Ist dein eigentliches Problem mit diesem Urteil gar nicht die Verurteilung selbst, sondern die Tatsache, dass ein Dokument entstanden ist, das heute öffentlich zirkuliert und von vielen Menschen als vollständige Wahrheit gelesen wird, obwohl du überzeugt bist, dass es an mehreren Stellen ein unvollständiges Bild der Geschichte zeichnet?
Als Journalistin lese ich ein Urteil, das Fragen aufwirft. Fragen zu Ortsangaben, technischen Abläufen, Medienbegriffen und einzelnen Darstellungen. Ist die eigentliche Wirkung eines Urteils manchmal größer als seine juristische Bedeutung?
A.
Nein. Mein eigentliches Problem ist nicht die Verurteilung.
Mir war von Anfang an bewusst, dass ich mich mehrfach einer gerichtlichen Anordnung widersetzt habe. Darüber muss man nicht diskutieren. Das ist der Kern des Urteils. Nicht irgendwelche angeblichen Kränkungen, nicht verletzte Gefühle und auch nicht die große öffentliche Erzählung, die später daraus gemacht wurde.
Deshalb überrascht mich das Urteil nicht.
Was mich vielmehr interessiert, ist die Wirkung, die ein solches Urteil anschließend entfaltet. Denn viele Menschen lesen ein Gerichtsdokument und glauben, damit die gesamte Geschichte zu kennen. Dabei beschreibt ein Urteil immer nur einen sehr begrenzten Ausschnitt eines Konflikts.
Rückblickend stelle ich mir manchmal die Frage, was passiert wäre, wenn ich geschwiegen hätte. Wahrscheinlich hätte ich mir viele Probleme erspart. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass ich dann niemals mit den Menschen in Kontakt gekommen wäre, die sich später bei mir gemeldet haben und von eigenen Erfahrungen berichtet haben.
Genau deshalb betrachte ich die Geschichte heute anders.
Wer mich zum Schweigen bringen wollte, hat aus meiner Sicht das Gegenteil erreicht. Denn inzwischen sprechen andere Menschen. Menschen, die vorher nicht den Mut hatten, ihre Sicht öffentlich zu äußern. Ob ihre Vorwürfe berechtigt sind oder nicht, müssen die zuständigen Stellen beurteilen. Aber sie sprechen. Und allein das halte ich in einer Demokratie für wichtig.
Deshalb sehe ich das Urteil nicht als Ende einer Debatte, sondern als Teil einer größeren Diskussion. Eine Diskussion darüber, wie Konflikte entstehen, wie Macht wahrgenommen wird und warum manche Menschen trotz persönlicher Konsequenzen nicht bereit sind zu schweigen.
Und genau deshalb kann ich heute vergleichsweise gelassen auf dieses Urteil blicken. Nicht weil es bedeutungslos wäre, sondern weil die Geschichte, die dahintersteht, aus meiner Sicht deutlich größer ist als das Dokument selbst.
Frage 9
Hast du – bewusst oder unbewusst – zugelassen, dass ein Urteil entsteht, über das heute diskutiert werden kann, weil du davon ausgegangen bist, dass die größeren Fragen ohnehin erst später sichtbar werden würden?
Mit anderen Worten: Hast du auf eine spätere Debatte gesetzt, weil du glaubtest, dass bestimmte Themen innerhalb des Verfahrens nie vollständig behandelt würden?
A.
Ja.
Und zwar deshalb, weil die betreffenden Punkte nicht erst nach dem Urteil aufgefallen sind. Sie waren bereits vorher bekannt.
Es wurde auf aus meiner Sicht fehlerhafte Angaben hingewiesen. Es wurde auf Fragen zum Tatort hingewiesen. Es wurde auf die Benennung von Internetplattformen hingewiesen. Es wurde auf die Darstellung bestimmter Veröffentlichungen hingewiesen. Diese Punkte standen im Raum und hätten überprüft oder korrigiert werden können.
Genau deshalb betrachte ich sie heute nicht als bloße Versehen.
Für mich ist entscheidend, dass die Hinweise bekannt waren und die Angaben trotzdem Bestandteil des Urteils geblieben sind. Es bestätigt auch die Überforderung der Staatsanwaltschaft, denn wenn Staatsanwältin Akgük eine falsche Adresse angibt, eine falsche Internetseite, einen Newsletter, der nie existierte dann frage ich mich heute wo die Neutralität in diesem Verfahren liegt?
Warum das so ist, kann letztlich nur das Gericht selbst beantworten.
Mein Eindruck ist jedoch, dass genau darin heute die eigentliche Bedeutung liegt. Denn diese Punkte werfen Fragen auf, die weit über meine Person hinausgehen. Sie werfen Fragen zur Sorgfalt von Ermittlungen, zur Qualität von Verfahren und zum Umgang mit Hinweisen auf, die während eines laufenden Verfahrens vorgetragen werden.
Deshalb habe ich irgendwann akzeptiert, dass die eigentliche Debatte möglicherweise erst nach dem Urteil beginnt.
Denn wenn bestimmte Angaben trotz entsprechender Hinweise unverändert bleiben, dann werden sie später zwangsläufig relevant. Nicht wegen mir, sondern weil sich jedes Urteil an seinen eigenen Feststellungen messen lassen muss.
Und genau deshalb glaube ich, dass manche der wichtigsten Fragen dieses Verfahrens nicht vor dem Urteil sichtbar wurden, sondern erst durch das Urteil selbst.
Frage 10
Ist der eigentliche Wendepunkt für dich nicht das Urteil selbst, sondern die Tatsache, dass das Urteil inzwischen als Werkzeug in einer öffentlichen Auseinandersetzung verwendet wird?
Ab dem Moment, in dem ein Gerichtsdokument außerhalb des Gerichtssaals kursiert, verändert sich die Geschichte. War das der eigentliche Bruch?
A.
Einen eigentlichen Wendepunkt durch das Urteil selbst sehe ich nicht.
Wenn man das Urteil nüchtern betrachtet, dann handelt es sich nicht um ein Urteil, das mein Leben verändert. Ich wusste, worum es ging. Ich wusste, worüber entschieden wird. Das Urteil ist deshalb für mich weder Schock noch Überraschung.
Der interessante Teil beginnt erst danach.
Der eigentliche Bruch entsteht in dem Moment, in dem ein Gerichtsdokument den Gerichtssaal verlässt und zu einem Instrument der öffentlichen Auseinandersetzung wird. Genau das habe ich hier beobachtet.
Mein Eindruck ist, dass das Urteil nicht nur gelesen, sondern aktiv genutzt wurde, um eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Diskussion.
Denn Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf so ein Dokument. Die einen sehen ein Urteil und halten damit jede Frage für beantwortet. Andere lesen genauer. Sie stellen Fragen. Sie hinterfragen Widersprüche. Sie wollen verstehen, was dahintersteht.
Genau diese Menschen haben mich angesprochen.
Sie haben nicht gefragt, warum es ein Urteil gibt. Sie haben gefragt, warum bestimmte Angaben darin stehen. Sie haben gefragt, warum einzelne Darstellungen nicht zu den ihnen bekannten Fakten passen. Sie haben gefragt, warum über manche Dinge gesprochen wird und über andere nicht.
Und genau deshalb glaube ich, dass das Urteil heute eine andere Funktion erfüllt als ursprünglich gedacht.
Es ist längst nicht mehr nur eine gerichtliche Entscheidung. Es ist Teil einer öffentlichen Debatte geworden.
Was mich dabei besonders interessiert, ist nicht, wer wem glaubt. Mich interessiert, warum Menschen das Bedürfnis haben, mit einem solchen Dokument ihre eigene Glaubwürdigkeit zu untermauern. Denn wer von seiner Position vollkommen überzeugt ist, braucht oft keine ständige Bestätigung durch Dritte.
Deshalb führe ich dieses Gespräch auch nicht, um ein Urteil wegzudiskutieren.
Ich führe es, weil zu jeder Geschichte mehr als eine Perspektive gehört.
Und wenn ein Dokument öffentlich eingesetzt wird, um eine bestimmte Sichtweise zu verbreiten, dann muss es in einer Demokratie auch erlaubt sein, dieses Dokument zu hinterfragen, Widersprüche zu benennen und eine Gegendarstellung vorzubringen.
Genau das ist für mich der Kern dieser Debatte.
Frage 11
Kämpfst du überhaupt gegen ein Urteil – oder gegen die Vorstellung, dass dieses Urteil die gesamte Wahrheit über den Konflikt erzählen würde?
Je länger ich mich mit diesem Fall beschäftige, desto mehr habe ich den Eindruck, dass sich dein Widerspruch weniger gegen die Entscheidung richtet als gegen die Interpretation dieser Entscheidung.
A.
Nein. Ich kämpfe nicht gegen das Urteil.
Das Urteil ist das Urteil. Ich habe mich richterlichen Anordnungen widersetzt, dafür wurde ich verurteilt, und das ist die Entscheidung des Gerichts. Darüber muss man nicht diskutieren.
Wogegen ich mich wehre, ist die Vorstellung, dass dieses Urteil die gesamte Geschichte erzählen würde.
Denn dann würden plötzlich all die Fragen verschwinden, die überhaupt erst zu diesem Konflikt geführt haben. Dann würde nicht mehr darüber gesprochen werden, was mit Eigentum passiert ist, welche Entscheidungen getroffen wurden und welche Auswirkungen diese Entscheidungen auf andere Menschen hatten. Dann würde nur noch das Urteil übrig bleiben.
Und genau das halte ich für falsch.
Mir geht es nicht darum, Andreas Wilking zu einem Symbol zu machen. Mir geht es darum, dass nach meiner Wahrnehmung nicht nur ich mit ihm in Konflikt geraten bin. Im Laufe der Jahre haben sich weitere Menschen gemeldet, die von eigenen Erfahrungen berichtet haben. Ob ihre Vorwürfe berechtigt sind, müssen andere beurteilen. Aber sie existieren. Und allein deshalb kann die Geschichte nicht auf ein einziges Urteil reduziert werden.
Der eigentliche Streitpunkt ist für mich ein anderer.
In einer Demokratie darf niemand das Recht haben, über fremdes Eigentum, fremde Lebensleistungen oder fremde Existenzen zu bestimmen, als wären sie sein persönlicher Besitz. Genau dort beginnt mein Widerspruch.
Und genau deshalb geht es mir nicht um die juristische Bewertung meiner Person. Es geht mir um die Frage, warum bestimmte Vorgänge bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet wurden und warum manche Menschen glauben, ihre eigene Version der Wahrheit müsse automatisch die Wahrheit aller anderen sein.
Das ist der Punkt, an dem ich widerspreche.
Nicht dem Urteil.
Sondern der Vorstellung, dass mit diesem Urteil alle Fragen beantwortet wären.
Denn wenn ein Mensch über Jahre immer wieder mit Widersprüchen konfrontiert wird, immer wieder unterschiedliche Darstellungen abgibt und trotzdem erwartet, dass niemand nachfragt, dann ist Nachfragen keine Störung der Demokratie.
Dann ist Nachfragen Demokratie.
Und genau deshalb führe ich diese Diskussion bis heute.
Frage 12
Vergleichst du historische Systeme – oder vergleichst du den Umgang von Staaten mit Menschen, die sich Anordnungen widersetzen und Autoritäten herausfordern?
Du hast Aussagen getroffen, die provozieren und Diskussionen auslösen. Was genau wolltest du damit ausdrücken?
A.
Ich vergleiche keine Systeme eins zu eins. Wer das tut, macht es sich zu einfach.
Was ich vergleiche, ist der Umgang eines Staates mit Menschen, die widersprechen, unbequem sind oder Autoritäten herausfordern. In diesem Zusammenhang habe ich einmal gesagt, dass ich im Dritten Reich vermutlich im Konzentrationslager gelandet wäre, in der DDR möglicherweise in Hohenschönhausen aufgehört hätte zu protestieren und in der heutigen Bundesrepublik eine Bewährungsstrafe erhalten habe.
Das ist keine Gleichsetzung dieser Systeme. Es ist eine Beschreibung ihrer Unterschiede.
Und genau diese Unterschiede zeigen auch, wie weit Deutschland gekommen ist. Zwischen 1933 und heute liegen Welten. Deutschland hat enorme Fortschritte gemacht. Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und demokratische Kontrolle sind Errungenschaften, die man nicht kleinreden darf.
Trotzdem bedeutet Fortschritt nicht, dass keine Probleme mehr existieren.
Mein Eindruck ist, dass unser Rechtssystem vielerorts an seine Grenzen stößt. Die Justiz ist überlastet, Verfahren dauern zu lange, Personal fehlt und die Bezahlung steht häufig nicht im Verhältnis zu der Verantwortung, die Staatsanwälte und Richter tragen.
Deshalb richtet sich meine Kritik nicht gegen die Demokratie. Im Gegenteil. Meine Kritik richtet sich gegen die Vorstellung, dass man bestehende Probleme nicht mehr benennen darf, nur weil das System insgesamt besser geworden ist.
Deutschland hat große Schritte nach vorne gemacht.
Aber genau deshalb sollte es auch möglich sein, offen darüber zu sprechen, wo wir wieder anfangen zurückzufallen.
Und bei der Ausstattung, Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit unserer Justiz sehe ich inzwischen einen Punkt erreicht, an dem Reformen nicht mehr nur wünschenswert sind.
Sie sind notwendig.
Frage 13
War dein Ziel irgendwann gar nicht mehr, Recht zu bekommen? War dein Ziel, eine Reaktion zu erzwingen?
Du hast einmal sinngemäß gesagt, dass man manchmal so lange schreien müsse, bis man gehört wird. Hattest du irgendwann das Gefühl, dass die eigentliche Niederlage nicht eine Verurteilung wäre – sondern Schweigen?
A.
Ja.
Und genau das habe ich auch im Gerichtssaal angesprochen.
Ich finde es traurig, dass man in Berlin teilweise das Gefühl bekommt, immer lauter werden zu müssen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Dass Menschen irgendwann glauben, sie müssten provozieren, widersprechen oder permanent Druck erzeugen, damit sich überhaupt jemand mit ihren Anliegen beschäftigt.
Das sollte in einem funktionierenden Rechtsstaat nicht notwendig sein.
Mein Ziel war nie, Menschen zu beleidigen. Mein Ziel war, Aufmerksamkeit für Vorgänge zu erzeugen, die aus meiner Sicht zu lange ignoriert wurden.
Denn irgendwann stellt man sich eine einfache Frage: Was passiert, wenn ich still bin?
Meine persönliche Antwort darauf lautet: Nichts.
Und genau das war für mich die eigentliche Gefahr.
Nicht eine Verurteilung. Nicht ein Verfahren. Nicht ein Gerichtstermin.
Sondern das Schweigen.
Denn Schweigen bedeutet, dass Fragen unbeantwortet bleiben. Schweigen bedeutet, dass niemand mehr hinschaut. Schweigen bedeutet, dass diejenigen gewinnen, die darauf setzen, dass Konflikte irgendwann in Vergessenheit geraten.
Ich glaube, dass Geld vieles kaufen kann. Gute Anwälte. Beratung. Strategien. Einfluss auf öffentliche Wahrnehmung.
Was Geld aber niemals kaufen darf, ist Wahrheit.
Und genau dort liegt für mich die Grenze.
Denn Demokratie darf niemals zur Privatsache derjenigen werden, die über die größeren finanziellen Mittel verfügen. Wenn irgendwann nicht mehr Argumente zählen, sondern nur noch die Ressourcen, mit denen sie vorgetragen werden, dann verliert ein Rechtsstaat einen Teil seiner Glaubwürdigkeit.
Deshalb habe ich nicht geschwiegen.
Und deshalb habe ich weitergeredet, weitergeschrieben und weiter nachgefragt.
Nicht weil ich einen Streit führen wollte.
Sondern weil ich überzeugt war, dass bestimmte Fragen gestellt werden mussten – auch dann, wenn andere sie lieber nicht hören wollten.
Frage 14
Hat dich ausgerechnet die Begegnung mit einem Richter dazu gebracht, radikaler in deiner Entschlossenheit zu werden, nicht aufzugeben?
Du hast im Laufe der Jahre viele Staatsanwälte, Polizisten und Richter erlebt. Doch über Richter Dr. Ammann sprichst du anders. Nicht wie über eine Institution, sondern wie über einen Menschen. War er der erste Vertreter des Systems, bei dem du das Gefühl hattest, dass er nicht nur die Akte sah, sondern auch die Geschichte dahinter? Und hat genau das dich darin bestärkt, weiterzumachen?
A.
Ja.
Und genau deshalb spreche ich über Richter Dr. Ammann anders als über viele andere Beteiligte in diesem Verfahren.
Als ich ihm zum ersten Mal begegnete, hatte ich bereits Jahre voller Verfahren, Vorwürfe, Schriftsätze und Auseinandersetzungen hinter mir. Ich war es gewohnt, dass Menschen zuerst die Akte lesen und danach den Menschen betrachten. Bei ihm hatte ich zum ersten Mal den gegenteiligen Eindruck.
Er sah zuerst den Menschen.
Das bedeutet nicht, dass er mit mir einer Meinung war. Das bedeutet nicht, dass er mir recht gegeben hat. Es bedeutet lediglich, dass ich das Gefühl hatte, dass er verstehen wollte, warum die Situation überhaupt entstanden war.
Und genau das ist ein Unterschied.
Besonders nachdenklich gemacht hat mich eine Aussage, die er damals sinngemäß getroffen hat. Er schilderte, warum er sich bewusst für einen anderen Bereich der Justiz entschieden habe. Nicht, weil die Arbeit einfacher sei, sondern weil er dort ein Umfeld erlebt habe, das aus seiner Sicht ruhiger, sachlicher und lösungsorientierter arbeitet.
Diese Aussage hat mich beschäftigt.
Denn wenn selbst Richter offen darüber sprechen, wie groß die Belastungen innerhalb des Systems geworden sind, dann ist das kein individuelles Problem mehr. Dann spricht man über strukturelle Probleme.
Vielleicht war genau das der Moment, in dem mir klar wurde, dass mein Konflikt nicht nur ein persönlicher Konflikt ist.
Denn ich habe in den vergangenen Jahren viele Richter kennengelernt. Mit den meisten konnte man sachlich sprechen. Die meisten waren erkennbar daran interessiert, eine Lösung zu finden und nicht einen Streit künstlich zu verlängern.
Deshalb richtet sich meine grundsätzliche Kritik auch viel seltener gegen Gerichte als gegen die Entwicklungen davor.
Richter Dr. Ammann war für mich einer der ersten Vertreter des Systems, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er nicht nur den einzelnen Vorgang betrachtet, sondern auch die Geschichte dahinter.
Und vielleicht war genau das der Grund, warum ich danach noch entschlossener war, nicht aufzugeben.
Denn wenn selbst Menschen innerhalb des Systems die Probleme erkennen, dann lohnt es sich auch, weiter über diese Probleme zu sprechen.
Nicht aus Trotz.
Sondern weil sie existieren.
Frage 15
Bist du sicher, dass Steven Bauer nicht nur der Auslöser dieser Pressemitteilung sein will – oder besteht die Möglichkeit, dass er lediglich versucht herauszufinden, warum diese Geschichte bis heute kein Ende gefunden hat?
Du kritisierst die Weitergabe von Unterlagen und den Umgang mit Informationen. Gleichzeitig hast du selbst immer wieder Öffentlichkeit gesucht und Journalisten kontaktiert. Deshalb stellt sich die vielleicht unangenehmste Frage von allen:
Was, wenn die eigentliche Geschichte für einen Journalisten gar nicht das Urteil ist?
Was, wenn die eigentliche Geschichte die Tatsache ist, dass nach Jahren noch immer dieselben Namen, dieselben Konflikte und dieselben offenen Fragen existieren?
Und was, wenn die entscheidende Frage nicht lautet, wer Recht hat – sondern warum diese Geschichte bis heute nicht abgeschlossen ist?
A.
Genau das ist die Frage, die ich mir seit Langem stelle.
Ich weiß nicht, welche Absicht Steven Bauer mit der Weitergabe eines ungeschwärzten Dokuments verfolgt hat. Ob es journalistische Recherche war, ob er bereits an einer Geschichte arbeitet oder ob es einen anderen Hintergrund gibt, kann letztlich nur er selbst beantworten.
Für mich führt diese Frage jedoch unmittelbar zu einer anderen Person: Andreas Wilking.
Denn wenn man verstehen möchte, warum dieser Konflikt nach fast drei Jahren noch immer existiert, muss man sich aus meiner Sicht auch fragen, welche Rolle Andreas Wilking dabei gespielt hat.
Mein Eindruck ist, dass viele der Widersprüche, Diskussionen und Auseinandersetzungen nie entstanden wären, wenn frühzeitig Transparenz hergestellt worden wäre. Stattdessen habe ich den Konflikt über Jahre als einen Kampf um Deutungshoheit erlebt – darum, welche Version der Ereignisse geglaubt werden soll.
Genau deshalb steht für mich bis heute die Frage der Glaubwürdigkeit im Mittelpunkt.
Nicht meine Glaubwürdigkeit.
Sondern die Glaubwürdigkeit eines Mannes, der aus meiner Sicht lange davon ausgegangen ist, dass seine Darstellung automatisch die maßgebliche Darstellung sein müsse.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Andreas Wilking über Jahre Entscheidungen getroffen oder Positionen vertreten hat, die tief in das Leben anderer Menschen eingegriffen haben. Und genau dort beginnt für mich die eigentliche Diskussion.
Denn in einer Demokratie darf niemand aufgrund seines Alters, seines Berufs, seines gesellschaftlichen Ansehens oder seiner finanziellen Möglichkeiten erwarten, dass seine Sichtweise unangreifbar wird.
Demokratie lebt vom Widerspruch.
Demokratie lebt davon, dass Behauptungen hinterfragt werden.
Und Demokratie lebt davon, dass auch Menschen ohne besondere Macht oder besondere Mittel das Recht haben, Nein zu sagen.
Deshalb geht es für mich längst nicht mehr um eine einzelne Akte oder um ein einzelnes Urteil.
Es geht um die Frage, ob wir bereit sind, Menschen mit Einfluss genauso kritisch zu hinterfragen wie alle anderen.
Und genau deshalb spreche ich bis heute darüber.
Nicht weil ich einen Konflikt erhalten möchte.
Sondern weil ich der Überzeugung bin, dass Konflikte nur dann beendet werden können, wenn alle Beteiligten bereit sind, sich denselben Fragen zu stellen.
Die letzte Frage
Sven, du kämpfst seit fast drei Jahren gegen Andreas Wilking und Andreas Wilking gegen Dich. Aber was wolltest du eigentlich ursprünglich von ihm?
Man könnte inzwischen fast den Eindruck bekommen, du seist geradezu penetrant darauf fixiert, diesen Mann öffentlich zu demontieren, zu bestrafen oder seine Glaubwürdigkeit zu zerstören. Also ganz konkret: Warum? Was hat Andreas Wilking – abgesehen von den Unwahrheiten, die du ihm vorwirfst – verdammt noch mal getan, dass du nach fast drei Jahren immer noch nicht bereit bist, diese Geschichte ruhen zu lassen?
A.
Was ich will? Die Antwort ist erschreckend einfach:
Ich will mein Eigentum zurück.
Ich will den Schaden ersetzt haben, der mir seit November 2023 nach meiner Darstellung durch Andreas Wilking und seine Ehefrau entstanden ist. Ich will geklärt haben, was mit dem Eigentum meiner Kunden passiert ist – mit Bestellungen, Kleidungsstücken und Waren, die nach meiner Darstellung im Zusammenhang mit Andreas Wilking und seiner Ehefrau vernichtet, entsorgt oder nicht zurückgegeben wurden.
Und ich will endlich vollständig aufgeklärt haben, was im Zusammenhang mit meiner Identität passiert ist. Ich erhebe den Vorwurf, dass meine Identität beziehungsweise meine Daten benutzt wurden und darüber unter anderem bei PayPal und weiteren Plattformen finanzielle Schäden entstanden sind. Auch hier muss geklärt werden, welche Rolle Andreas Wilking und seine Ehefrau dabei gespielt haben. Das ist kein Nebenschauplatz. Das muss ermittelt, nachvollzogen und rechtlich geklärt werden.
Ebenso will ich wissen, warum nach meiner Feststellung auffällig Eigentum homosexueller männlicher Kunden betroffen war, während Frauenkleidung zurückblieb. Auch diese Frage richtet sich für mich unmittelbar an Andreas Wilking und seine Ehefrau.
Und inzwischen geht es längst nicht mehr nur um mich. Weitere Menschen erheben eigene Vorwürfe und machen eigene Schäden gegenüber Andreas Wilking und seiner Ehefrau geltend. Wenn wir insgesamt über Schäden in erheblicher, möglicherweise sechsstelliger Größenordnung sprechen, kann die Antwort doch nicht ernsthaft lauten: Vergesst es einfach, damit endlich Ruhe ist.
Ich will keine Rache. Ich will mein Eigentum, Schadensersatz, Aufklärung und Verantwortung – und ich will, dass Andreas Wilking und seine Ehefrau sich den Vorwürfen stellen, die gegen sie im Raum stehen.
Und weißt du, mein lieber Emanuel, was eigentlich das Traurigste an dieser ganzen Geschichte ist?
Sie hätte am 8. November 2023 beendet sein können.
Andreas Wilking hätte mir mein Eigentum zurückgeben, den entstandenen Schaden regulieren und sagen können: Wir trennen uns hier und jetzt, und jeder geht seinen Weg. Vielleicht hätte das damals einige Tausend Euro gekostet. Heute sprechen wir aus meiner Sicht über Schäden und Forderungen in einer völlig anderen Größenordnung.
Stattdessen folgten fast drei Jahre Auseinandersetzungen, Anzeigen, Verfahren und immer neue Fragen. Und im Zuge dieser Aufarbeitung sind weitere Sachverhalte und Vorwürfe gegen Andreas Wilking und seine Ehefrau aufgetaucht, die aus meiner Sicht strafrechtlich relevant sein können und nun von den zuständigen Behörden aufgeklärt werden müssen.
Das ist für mich die eigentliche Absurdität: Vieles davon wäre möglicherweise niemals ans Licht gekommen, wenn Andreas Wilking diesen Konflikt damals beendet hätte.
All das hätte verhindert werden können.
Nicht durch mein Schweigen. Nicht dadurch, dass ich klein beigebe. Sondern durch eine verdammt einfache Entscheidung am Anfang: Eigentum zurückgeben, Verantwortung übernehmen, Schaden regulieren und die Sache beenden.
Diese Möglichkeit besteht aus meiner Sicht noch immer. Mein Eigentum zurück, eine vollständige wirtschaftliche Regulierung der geltend gemachten Schäden und eine rechtlich saubere Gesamtlösung – dann kann dieser zivilrechtliche Konflikt beendet werden. Über strafrechtliche Ermittlungen gegen Andreas Wilking und seine Ehefrau entscheiden ohnehin weder sie noch ich, sondern die zuständigen Behörden.
Und auch dem Staat gegenüber ist meine Geduld inzwischen erschöpft. Wenn Institutionen nahezu drei Jahre benötigen, um Vorgänge rund um Andreas Wilking und seine Ehefrau aufzuarbeiten, können sie von den Menschen, die so lange auf sie warten mussten, nicht plötzlich grenzenlose Geduld und grenzenloses Vertrauen erwarten.
Ein Rechtsstaat kann Vertrauen nicht einfach verlangen. Er muss es sich durch seine eigene Arbeit verdienen.
Deshalb ist mein letzter Satz an Andreas Wilking heute fast derselbe wie am Anfang:
Gib zurück, was mir gehört. Reguliere den Schaden. Übernimm Verantwortung. Dann kann diese Geschichte endlich enden.
Hinweis zum Dokumentenarchiv
Alle hier zum Download bereitgestellten Dokumente basieren auf Unterlagen, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Personenbezogene und private Daten wurden entsprechend geschwärzt. Die Dokumente sind chronologisch geordnet und umfassen unter anderem persönliche Aussagen der Beteiligten, Aussagen von Familienangehörigen sowie eidesstattliche Versicherungen und Zeugenaussagen von Betroffenen, Zeugen und Wegbegleitern.
Die Unterlagen stehen ab Montag, 16:00 Uhr, zum Download bereit.
Der Staatsanwaltschaft Berlin wurde bis einschließlich Montag, 12:00 Uhr, Gelegenheit gegeben, die zur Veröffentlichung vorgesehenen Unterlagen noch einmal zu prüfen und gegebenenfalls auf Dokumente hinzuweisen, die aus ihrer Sicht nicht veröffentlicht werden sollten. Aus diesem Grund wird das Dokumentenarchiv erst um 16:00 Uhr freigeschaltet.
Machen Sie sich selbst ein Bild. Lesen Sie die Unterlagen, vergleichen Sie Aussagen und zeitliche Abläufe. Denn oftmals sagen die eigenen, dokumentierten Worte der Beteiligten mehr aus als das, was später über sie oder über einen Sachverhalt erzählt wird.
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ZUR PERSON:
Emanuel Klimt
Mein Name ist Emanuel Klimt.
Ich bin Investigativjournalist. Seit über zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit Konflikten, in denen die Wahrheit nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ich recherchiere dort, wo Aussagen auf Aussagen treffen, wo Dokumente Widersprüche offenbaren und wo Menschen davon überzeugt sind, im Recht zu sein.
Ich glaube weder Klägern noch Beklagten. Weder Zeugen noch Beschuldigten. Weder Behörden noch Anwälten.
Ich glaube Beweisen.
Meine Arbeit besteht nicht darin, Schuldige zu benennen. Meine Arbeit besteht darin, Behauptungen zu überprüfen. Denn zwischen dem, was Menschen erzählen, und dem, was tatsächlich geschehen ist, liegt oft eine erhebliche Distanz.
In den vergangenen zwei Jahren habe ich Akten gelesen, Gerichtsunterlagen ausgewertet, Gespräche mit Beteiligten geführt und Zeitabläufe rekonstruiert. Dabei habe ich gelernt, dass die Wahrheit selten laut ist. Sie versteckt sich meist in den Details.
Deshalb stelle ich nur eine Frage:
Wer hat was, wann, gewusst – und was lässt sich davon tatsächlich belegen?