2026 - Jahr der Veränderungen

2026 — JAHR DER VERÄNDERUNGEN
KUNST, MODE UND VERANTWORTUNG

 

2026 ist für Sven Appelt ein Jahr der Veränderungen.

Nach fast 20 Jahren Arbeit mit Mode, Latex, Körpern und unterschiedlichen Formen der Inszenierung verändert sich auch der Blick auf das eigene Schaffen. Mode wird nicht mehr ausschließlich als Produkt oder Kollektion betrachtet, sondern zunehmend als kulturelles Medium – verbunden mit Kunst, Musik, Handwerk und gesellschaftlicher Verantwortung.

Dabei geht es auch um die Frage, welchen Regeln Mode eigentlich folgen muss.

Sven Appelt arbeitet nicht ausschließlich nach klassischen Konfektionssystemen wie Müller & Sohn. Gerade die langjährige Arbeit mit Latex hat gezeigt, dass standardisierte Größen und Proportionen nicht automatisch der Realität unterschiedlicher Körper entsprechen. Über die Jahre ist deshalb ein eigener Umgang mit Größen, Passformen und Proportionen entstanden – entwickelt aus praktischer Erfahrung und der direkten Arbeit am Körper.

Ähnlich verhält es sich mit der klassischen Trennung zwischen Damen- und Herrenmode.

Ein Kleidungsstück kann stärker für einen weiblichen oder einen männlichen Körper entwickelt sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass ausschließlich Frauen oder Männer es tragen können. SAC versteht diese Haltung auch nicht zwingend als Unisex.

Entscheidender ist eine einfachere Frage:

Gefällt mir dieses Kleidungsstück und funktioniert es für mich?

Dann kann ich es tragen.

Diese Freiheit im Umgang mit Körper, Geschlecht, Material und Konvention bildet 2026 zunehmend die Grundlage der Arbeit von Sven Appelt.

 

SS27 — PRICE TAG

Nach fast zwei Jahrzehnten in der Mode richtet Sven Appelt mit PRICE TAG den Blick auf die eigene Branche – und damit auch auf die eigene Geschichte innerhalb dieser Branche.

Was ist Mode heute eigentlich noch wert?

Was bedeutet der Preis auf einem Etikett? Wer bestimmt ihn? Und wer bezahlt am Ende den tatsächlichen Preis für ein Kleidungsstück?

Die Person, die es kauft?

Die Menschen, die es herstellen?

Die Ressourcen, die dafür verbraucht werden?

Oder eine Gesellschaft, die sich daran gewöhnt hat, Kleidung in immer kürzeren Abständen zu kaufen, zu tragen und wieder auszusortieren?

PRICE TAG beschäftigt sich mit dem Widerspruch zwischen Wert und Preis. Mit Handwerk und Konsum. Mit der Lebensdauer eines Kleidungsstücks und einer Industrie, in der Mode gleichzeitig kulturelles Objekt und Wegwerfprodukt geworden ist.

Dabei reflektiert Sven Appelt auch seine eigene, über fast 20 Jahre entstandene Sicht auf Mode.

Was bleibt von einem Kleidungsstück, wenn die Saison vorbei ist?

Und ist Mode noch das wert, was sie einmal war – oder haben wir lediglich gelernt, immer schneller einen neuen Preis daran zu hängen?

PRICE TAG wurde im Sommer 2026 zur ersten großen Veranstaltung von SAC Berlin im Umfeld der Berlin Fashion Week.

Gleichzeitig markiert das Projekt einen Startpunkt.

Künftig sollen zweimal jährlich interdisziplinäre Präsentationen entstehen, in denen Mode nicht isoliert betrachtet wird. Fashion trifft auf Kunst, Musik, Performance, Handwerk und gesellschaftliche Fragestellungen.

Nicht jede Show muss dieselbe Antwort geben.

Aber jede darf eine Frage stellen.

 
 
 
 


AW26 bowie

BOWIE blickt zurück.


Die Präsentation im Cassiopeia Club in Berlin nimmt David Bowie und dessen Verbindung zur Stadt als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit einer Epoche, in der Musik, Nachtleben, Freiheit, Exzess und Selbstzerstörung ungewöhnlich eng miteinander verbunden waren.

Dabei gehört auch Drogensucht zur Geschichte.

BOWIE versucht nicht, diese Vergangenheit zu romantisieren. Im Gegenteil: Die Kollektion stellt die Frage, wie schnell gesellschaftliche Erfahrungen aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden, wenn zwischen ihnen und der Gegenwart eine oder zwei Generationen liegen.

Gerade in Berlin bekommt diese Frage eine besondere Bedeutung.

Die Stadt lebt bis heute von den Bildern ihrer musikalischen und subkulturellen Vergangenheit. Exzess wird ästhetisiert, historische Brüche werden zu Referenzen und Persönlichkeiten wie David Bowie längst Teil der kulturellen Identität Berlins.

Die Konsequenzen dieser Zeit dürfen dabei nicht zur bloßen Ästhetik werden.

Drogen sind nicht verschwunden. Substanzen, Konsummuster und gesellschaftliche Bedingungen verändern sich – die damit verbundenen Gefahren bleiben.

BOWIE bewegt sich bewusst innerhalb dieses Widerspruchs.

Schwarz, Grau und transparente Materialien bestimmen Teile der Kollektion. Körper werden sichtbar und gleichzeitig verhüllt. Latex trifft auf Denim und urbane Elemente. Erste experimentelle Jeansarbeiten markieren bereits eine Entwicklung, die sich durch die folgenden Kollektionen fortsetzt.

Auch hier gelten keine starren Grenzen zwischen Damen- und Herrenmode. Größen, Proportionen und Passformen entstehen aus der langjährigen Arbeit mit unterschiedlichen Körpern und insbesondere aus der Erfahrung mit Latex.

So wird BOWIE nicht zur Rekonstruktion einer vergangenen Epoche.

Die Kollektion benutzt Vergangenheit, um über Gegenwart zu sprechen.

Über Berlin.

Über Erinnerung.

Über Verführung und ihre Konsequenzen.

Und über die Verantwortung, kulturelle Geschichte nicht nur dann zu zitieren, wenn ihre Bilder wieder modern werden.